Wir feiern eine nachhaltige Hochzeit

Mein Brautstrauß

Ja, ich will ! Aber nur nachhaltig

 So in etwa lautete meine Antwort auf den Heiratsantrag meines Mannes.

`Ich wünsche mir eben nicht nur eine nachhaltige Ehe, sondern auch eine ökologisch vertretbare Hochzeitsfeier, Schatz `
Aus einem Spiegel Artikel wusste ich, dass eine durchschnittliche Hochzeit die Umwelt mit rund 14,5 Tonnen CO² belastet, eineinhalbmal so viel wie ein Bürger im Schnitt während eines ganzen Jahres verursacht. Aha… dagegen gab es von seiner Seite keine Gegenargumente.

Wir waren uns einig, dass wir als Hedonisten keinesfalls auf eine große Party, Spaß und leckeres Essen verzichten wollen, aber eben ohne übermäßige Müllberge und ohne ein Meteoritenkraterloch in unserer Atmosphäre zu hinterlassen.
Die Entscheidung für eine `nachhaltige Hochzeit` war also gefallen und ich machte mich mit 12 Monaten Vorlauf an die Vorbereitungen.

Die richtige Location für eine nachhaltige Hochzeit

Zunächst galt es, eine geeignete Location für eine Hochzeitsfeier mit 100 Gästen zu finden. Ein Hotel oder Gasthof ? In der Stadt oder außerhalb? Auf einem Berg oder am See? Wollen wir eine Motto Party im Märchenpark feiern?
Mit der Wahl der Location hängen auch viele andere Faktoren zusammen. Bei uns war es vor Allem das Essen, welches die Auswahl eingegrenzt hat. Wir wollten unbedingt ein leckeres, vegetarisches Hochzeitsmenü und wenigstens bei unserer eigenen Hochzeit nicht wieder auf die Wahl zwischen Käsespätzle, Ofenkartoffel und Spaghetti begrenzt sein.
Ein Artikel in der Schrot&Korn brachte uns dann auf das AmVieh-Theater in Schwindegg :ein Biobauernhof in Alleinlage, mit Feststadl und kleinem Biohotel , umgeben von Wiesen und Feldern und mit einem großen, wunderschönen Obstgarten. Das Team vom AmVieh-Theater zaubert raffinierte, saisonale Gerichte und alle Lebensmittel stammen alle aus ökologischer Landwirtschaft. Ein vegan/vegetarisches Menü mit Bio Weinen – kein Problem ! Und das Motto unserer Hochzeit war auch gefunden: Landliebe :-)

Ein Partybus spart CO2

Prima, wir hatten eine tolle Location gefunden, allerdings ist diese rund 90km von unserer Kirche im schönen Neuhausen entfernt.Damit nicht alle Gäste mit eigenem PKW anreisen und die Umwelt geschont wird, haben wir einen Reisebus gechartert. Dies hatte wiederum den schönen Nebeneffekt, dass die Feier gleich nach der Trauung im Bus starten konnte. Dafür braucht es natürlich die richtigen Kaltgetränke, die wir in kompostierbaren Bechern aus PLA (Polymilchsäure aus Mais) ausgeschenkt haben.
Unsere Gäste haben wir per Save-the-date Mail auf den angepeilten Termin hingewiesen. Dennoch wollten wir für die Einladung nicht auf eine gedruckte Version verzichten. Unsere Einladungen haben wir bei Mimis Laden gefunden.Das witzige Design mit den Tieren und Traktor wurde von der Designerin sogar noch um einen Bus erweitert. Die fertige Einladung wurde in kleiner Auflage auf Packpapier gedruckt und wir haben einen großen Teil persönlich übergeben und einige auch per Mail verschickt.

 

Verwertbare Gastgeschenke statt Wegwerfblumen

So ein Feststadl auf dem Bauernhof sieht erst richtig toll aus, wenn es auch entsprechend geschmückt ist. Auch wenn es bereits umweltfreundliche, FLP-zertifizierte Schnittblumen gibt, für die Tischdeko wählten wir dann kleine Töpfe mit Kräutern, die die Gäste nach der Feier mit nachhause nehmen konnten. So hat jeder noch eine schöne und (bei guter Pflege) bleibende Erinnerung an das Fest.

 

Oooh.. .Aaaaah… das Brautkleid und die Ringe

Das Brautkleid zu finden, war schon etwas schwieriger. Ein (Alb-)Traum aus Tüll und Spitze oder eine Sahne-Baiser Wurstpelle kam für mich nicht in Frage. Noch dazu gibt es nahezu keine Hochzeitskleider aus Bio Stoffen im normalen Handel zu kaufen.
Fündig wurde ich dann bei DaWanda. Vita Kerlson  arbeitet für ihre tollen Kreationen nur mit Natur Materialien und bietet alle ihre Stoffe auch in Bio Qualität an. Sie nähte mir ein wunderschönes Kleid aus Bio Seide, das ich auch bei anderen, festlichen Gelegenheiten tragen kann.
Unsere Ringe sind aus Silber und wurden liebevoll und wunderschön entworfen und gefertigt von einem Goldschmied. Faires Gold war schwer zu bekommen und auf Diamanten haben wir auch auf Grund der undurchsichtigen und teilweise menschenunwürdigen Umstände des Abbaus verzichtet. Wir haben auch überlegt, unsere Ringe selbst zu schmieden. Allerdings wurden wir schon beim Anschauen des Videos ungeduldig, was wir als eindeutiges Zeichen werteten.

 

Fazit

Unser Hochzeitsfest war von Anfang bis Ende wunderschön. Die Busfahrt nach der Trauung hat zwar 90 Minuten länger gedauert als normal, aber der Trauzeuge meines Mannes hat seinen Job als Bordstewart hervorragend ausgefüllt. Die Location war ein Traum, die Kinder konnten im Heu hüpfen und der weitläufige Garten wurde von allen auf verschiedenste Art genutzt. Manche der Gäste verbrachten sogar die Nacht im Zelt.
Das vegan-vegetarische Vorspeisenbüffett hat sogar die `eingefleischtesten` Esser begeistert und die Beerenmousse Lasagne war schlicht und ergreifend ein orgiastisches Gaumenerlebnis.
Alle haben sich über die tollen Kräuter und Blumen gefreut, die sie am Ende mit nachhause nehmen konnten, übernächtigt und müde getanzt.
Sicher gibt es noch mehr Möglichkeiten, auf Nachhaltigkeit und ökologische Umsetzung zu achten.
Das machen wir dann bei unserer nächsten grünen Hochzeit, in 12 ½ Jahren – Freu mich drauf !

Fotos von Maria Zimolong

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2 Kommentare

  1. Ulrike   •  

    Liebe Steffi,

    zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zu Eurer nachhaltigen Hochzeit.
    Es freut mich zu lesen, dass immer mehr Menschen umweltfreundliche Feiern in die Tat umsetzen und darüber berichten…

    Ganz liebe Grüße aus dem Norden Deutschlands
    Ulrike

    • Steffi R.   •     Autor

      Danke Ulrike ! Ich hoffe, dass mein Artikel vielleicht etwas inspiriert :-)

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